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Die Witterung in Marburg im April 2009
Bilderbuchfr√ľhling wie seit Jahren nicht mehr
Sonne und Wärme ließen Aprilschauern kaum eine Chance

April 2009
Bilanz:Sonnig, trocken und au√üergew√∂hnlich warm - Archivierungsbeginn: 15. April - Messdaten zur Auswertung waren jedoch schon seit Februar verf√ľgbar
Mit einem satten Sonnenscheinplus von etwa 50 Prozent und einem nicht weniger eindrucksvollen W√§rme√ľberschuss von gut 5 Grad mauserte sich der sonst f√ľr seine Launenhaftigkeit ber√ľchtigte April in diesem Jahr zu einem Fr√ľhlingsmonat der Sonderklasse! Ein Sch√∂nwetterhoch nach dem anderen zog √ľber Deutschland hinweg und lie√ü den sonst typischen Aprilschauern auch im Marburger Land kaum eine Chance. So blieb es bis zur Monatsmitte fast trocken und bis zum Ende des Monats kam verbreitet nur etwa die H√§lfte der durchschnittlichen Aprilregenmenge zusammen.

Dennoch konnte sich die Natur pr√§chtig entwickeln, denn einerseits profitierten die Gew√§chse noch von den Niederschlags√ľbersch√ľssen aus dem Winter, so dass der zwar sp√§te, dann aber nachhaltige Durchbruch des Fr√ľhlings dazu f√ľhrte, dass die w√§rmehungrige Natur binnen k√ľrzester Zeit geradezu "explodierte". Andererseits kam mehr als die H√§lfte des im April gefallenen Regens mit Quadratmetersummen von 14 Litern in Marburg und bis zu 20 Litern im Ebsdorfergrund in einer einzigen Nacht vom Himmel, so dass gerade dann genug Wasser bereit gestellt wurde, als die Gew√§chse dies am n√∂tigsten brauchten.

Immerhin hatten die Temperaturen zuvor an den Osterfeiertagen ein schon geradezu sommerliches Niveau erreicht. So wurde in Marburg am Ostersonntag der monatliche Spitzenwert von 24,4 Grad Celsius erreicht und auch nachts blieb es zumeist √ľber 5 Grad mild. Lediglich zu Monatsbeginn waren die Quecksilber letztmals etwas unter den Gefrierpunkt gesunken. Nach Beginn der Hauptbl√ľhphase reichte es dagegen nur noch sehr vereinzelt f√ľr Wiesenreif, in luftiger H√∂he blieben die Quecksilber dagegen durchweg √ľber dem Gefrierpunkt, so dass sich die Obstbl√ľte gefahrlos entfalten konnte.

Der geballte Ansturm des Fr√ľhlings hatte aber auch Schattenseiten: So gelangten viele Gew√§chse nicht nacheinander, sondern fast gleichzeitig zur Bl√ľte, woraufhin innerhalb von k√ľrzester Zeit gewaltige Pollenkonzentrationen in die Luft frei gesetzt wurden. Dichte Wolken mit Abermilliarden feinster K√∂rnchen aus Bl√ľtenstaub schw√§rmten daraufhin aus und machten nicht nur den Pollenallergikern zu schaffen, sondern legten sich auch als dichter, klebriger Staubfilm auf Autos und Terassenm√∂bel oder hafteten als feine gelbe Schicht selbst frisch geputzten Fensterscheiben sofort wieder an.

Andernorts hatte die ungew√∂hnliche Aprilwitterung noch weitaus unangenehmere Folgen: W√§hrend es im Marburger Land ja wenigstens noch ein bisschen regnete, blieb der Fr√ľhlingsregen in Teilen Norddeutschlands fast vollst√§ndig aus. Die Folge war eine ausgepr√§gte Trockenheit, wie sie sonst erst im Hochsommer aufzutreten pflegt, so dass das Risiko f√ľr Wald- und Flurbr√§nde dort fl√§chig die h√∂chste Gefahrenstufe erreichte. Ursache hoher Waldbrandgefahr im Fr√ľhjahr ist d√ľrres Unterholz, das bis zum j√§hrlichen Laubaustrieb schutzlos dem Wind und den Strahlen der Sonne ausgesetzt ist.

Immerhin deutete sich bei Redaktionsschluss f√ľr die letzten Apriltage der √úbergang zu feuchtwarmem Fr√ľhlingswetter an. Schauer und Gewitter k√∂nnten die angespannte Bodenwassersituation verbessern und der Natur zugleich auch g√ľnstige Entwicklungsbedingungen f√ľr den Wonnemonat Mai mit auf den Weg geben. Allerdings sollte man stets bedenken, dass auch im Mai durchaus noch Sp√§tfr√∂ste m√∂glich sind. Dreht der Wind noch einmal auf Nord, k√∂nnten W√§rme liebende Pflanzen immer noch Schaden nehmen.

Marburg, am 30.04.2009

Herzlichst, Ihr J√ľrgen Vollmer
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