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Die Witterung in Marburg im August 2009
Viel Sonne und sommerlich warm
Nordatlantik: Rätselhafte Anomalie des Golfstroms entdeckt

August 2009
Bilanz:Erheblich zu trocken mit nur 38,5% Regen - Recht warm Abweichung: +1,02 Grad
Mit einem W√§rme√ľberplus von etwa einem Grad gegen√ľber den langj√§hrigen Durchschnittswerten und einem deutlichen Sonnenscheinplus machte der August seinem Ruf als Hochsommermonat alle Ehre. Obwohl sich der ausgesprochen wechselhafte Wettercharakter der Vormonate weiter fortsetzte, pendelten sich die Temperaturen auf vergleichsweise hohem Niveau ein und die Sch√∂nwetterphasen wurden seltener von Gewitterfronten unterbrochen, als in der Zeit davor.

Weil dabei Mittelhessen abermals von heftigen Unwettern verschont blieb, bilanzierte der August in der Region zudem verbreitet erheblich zu trocken. In Marburg kam mit nur knapp 23 Liter Regen je Quadratmeter nicht einmal 40 Prozent der mittleren, klimatischen Regensumme des Augustmonats zusammen, im Ebsdorfergrund wurden lokal immerhin knapp √ľber 30 Liter gemessen. Dennoch war es auch dort immer noch viel zu trocken. Zugleich machte die Sonne √úberstunden und √ľbertraf das Klima-Soll des Monats um gut ein Viertel. So bilanzierte der Monat recht sonnig, erheblich zu trocken und etwas zu warm.

Trotz des warmen Monatsverlaufs stieg das Quecksilber allerdings nur an drei Tagen √ľber die 30-Grad-Marke. Am hei√üesten wurde es am Zwanzigsten mit 34,6 Grad in Marburg und 34,8 Grad in Ebsdorf. In einigen Teilen Deutschlands wurden an diesem Tag sogar 37 Grad gemessen, es war nicht nur der hei√üeste Tag des Monats, sondern zugleich auch des ganzen Jahres. Die tiefste Temperatur des Monats wurde in Marburg mit nur 6,0 Grad am Morgen des 30. beobachtet, meist blieben die N√§chte jedoch mit Werten nahe 15 Grad deutlich milder.

Eine sehr ungew√∂hnliche Entdeckung haben Klimatologen derweil im zentralen Nordatlantik gemacht: Dort fielen die Wassertemperaturen in den vergangenen drei Monaten um rund 3 Grad hinter die jahreszeit√ľblichen Werte zur√ľck. Dagegen erw√§rmte sich das Meer vor der amerikanischen und vor der kanadischen Ostk√ľste sowie s√ľdlich von Gr√∂nland um teils mehr als 4 Grad und gleichzeitig stieg dort der Meeresspiegel sprunghaft um bis zu 60 Zentimeter an.

Bei der Suche nach den Ursachen dieser r√§tselhaften Vorg√§nge stellte sich heraus, dass auch der Golfstrom, jene warme Meeresstr√∂mung, der Europa seine vergleichsweise milden Winter verdankt, erheblich langsamer durch den Atlantik str√∂mt, als gewohnt. Dadurch hat sich die Sogwirkung auf die K√ľstengew√§sser des nordamerikanischen Kontinents deutlich verringert, so dass dort weniger Wasser auf den Atlantik hinaus gezogen wird als gew√∂hnlich. Die Folge ist ein massiver Wasserstau, der sowohl den Anstieg des Meeresspiegels, als auch die Erw√§rmung der K√ľstengew√§sser bewirkt.

Die Folgen f√ľr den Nordatlantik und damit auch f√ľr Europa k√∂nnten indessen weitaus fataler sein: H√§lt das beobachtete Ph√§nomen noch l√§ngere Zeit an, k√∂nnte dies insbesondere in den Wintermonaten eine deutliche Abk√ľhlung in Nord- und Mitteleuropa nach sich ziehen. Denn gerade dann wirkt der warme Atlantikstrom mildernd auf Kaltluftvorst√∂√üe aus dem Polargebiet. Arbeitet die Warmwasserheizung jedoch nur mit halber Kraft, k√∂nnten die Luftstr√∂mungen aus dem Norden auch in Deutschland deutlich k√§lter ankommen, als sonst.

Noch ist es zu fr√ľh und √ľber die Ursachen der gerade erst entdeckten Anomalien zu wenig bekannt, um bereits konkrete Folgen f√ľr die Entwicklung des Klimas in Europa herzuleiten, zumal auch v√∂llig unsicher ist, ob und wie lange die Schw√§chephase des Golfstroms noch andauern wird. Sie f√ľhrt uns allerdings drastisch vor Augen, wie empfindlich die Balance unseres Klimagef√ľges reagiert und wie elementar wichtig gerade deshalb ein h√∂chst sorgsamer Umgang mit unserer Umwelt ist.

Marburg, am 31.08.2009

Herzlichst, Ihr J√ľrgen Vollmer
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