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Die Witterung in Marburg im Februar 2010
Schneereicher Kaltwinter setzte sich fort
Schwere Unwetter in den atlantischen Urlaubsparadiesen

Februar 2010
Bilanz: Normal feucht mit 104,8% Schnee/Regen - Etwas zu kalt, Abweichung: -0,52 Grad
Nach dem seit Mitte Dezember fast durchweg frostigen und schneereichen Hochwinter verlief auch der letzte der drei Wintermonate, der Februar, im Marburger Land ĂŒber weite Strecken tief winterlich. Meist herrschte leichter Dauerfrost und bis zum Ende der zweiten Monatsdekade lag eine geschlossene Schneedecke. Zwar ließ Tauwetter den zuvor auf rund 20 Zentimeter Höhe angewachsenen Schnee in der ersten Monatswoche vorĂŒbergehend deutlich schrumpfen, doch dann kehrte der Frost zurĂŒck und brachte auch neue SchneefĂ€lle mit.

Damit wuchs die Zahl der Tage mit einer geschlossenen Schneedecke auf den Gesamtwinter bezogen bis zum Ende des zweiten Monatsdrittels auch im Flachland auf 55 der insgesamt 90 Tage des Winterquartals. Dies ist insoweit recht bemerkenswert, weil man schon 23 Jahre zurĂŒckgehen muss, um einen vergleichbar langen und schneereichen Winter zu finden: Ähnlich streng verlief zuletzt der Winter 1986/87, damals war vor allem der Januar extrem kalt, aber auch der FrĂŒhlingsmonat MĂ€rz hatte teils noch strenge Fröste und bis in die letzte Monatsdekade hinein immer wieder auch noch Schnee gebracht.

Der heurige Februar war bis zum 20. etwa zweieinhalb Grad kĂ€lter als im langjĂ€hrigen Durchschnitt, wobei die monatliche Tiefsttemperatur am Morgen des 17. gemessen wurde. Sie lag in Marburg bei minus 10,8 Grad, in Ebsdorf wurden minus 12,1 und an der oberen Lahn in Biedenkopf sogar minus 15,9 Grad gemessen. In der letzten Monatsdekade schlug die beharrlich nordöstliche Windströmung dann radikal um und von SĂŒdwesten her setzte sich sodann Tauwetterluft durch. In ihr wurde am letzten Tag des Monats, am 28., mit plus 11,4 Grad auch die monatliche Höchsttemperatur erreicht. Zugleich konnte sich das vorangegangene Temperaturdefizit deutlich verringern, unterm Strich blieb der Februarmonat aber immer noch etwa ein halbes Grad hinter dem Klimamittelwert zurĂŒck. Der Gesamtwinter - also alle 3 Wintermonate von Dezember 2009 bis Februar 2010 - fiel sogar rund 1 Grad kĂ€lter aus als im Durchschnitt der Jahre.

Trotz der so bestĂ€ndigen Schneedecke blieb nach dem Januar auch der Februar zunĂ€chst noch deutlich zu trocken. Bis zum 22. waren erst 45 Prozent des monatlichen Niederschlagssolls zusammen gekommen. Allerdings Ă€nderte sich dies in der letzten Februarwoche mit Ankunft der feuchtmilden SĂŒdwestluft vom Atlantik grundlegend: KrĂ€ftige RegenfĂ€lle glichen die monatliche Wasserbilanz binnen wenigen Tagen noch vollstĂ€ndig aus, so dass der Monat sogar mit einem geringfĂŒgigen Niederschlagsplus zu Ende ging. Chancenlos blieb dagegen die Sonne, die es nicht mal auf die HĂ€lfte der monatlichen Sollstunden brachte. Hochdruckgebiete mit lĂ€ngerem Sonnenschein blieben Mitteleuropa wie schon seit Oktober 2009 auch im Februar fern.

So darf jetzt an der Schwelle zum nahenden FrĂŒhling resĂŒmiert werden, dass wir Zeuge eines durchaus außergewöhnlichen Schneewinters geworden sind. Er fiel in ganz Mitteleuropa frostig kalt und vor allem im Nordosten Deutschlands auch ausgesprochen schneereich aus. Und auch wenn die Forschung bisher noch keine Belege fĂŒr den im Herbst angedeuteten, möglichen Zusammenhang zwischen den deutlich unterkĂŒhlten Wassertemperaturen des Nordatlantik und der HĂ€ufung nordöstlicher Winde bei uns gefunden hat, so bleibt doch festzuhalten, dass letztlich offenbar genau dieses Szenario eingetreten ist.

Die Störung des normalen, nordatlantischen Windsystems hatte aber nicht nur hierzulande Folgen: Auf vielen atlantischen Inseln zeichnete sich der Winter durch teilweise extreme RegenfĂ€lle aus. Sie nahmen sowohl auf den Azoren, als auch auf der Kanareninsel Teneriffa sowie im Urlaubsparadies Madeira bisweilen katastrophale Ausmaße an. Grund fĂŒr die Wetterkapriolen war auch dort das ungewöhnlich bestĂ€ndige Hoch ĂŒber dem Polargebiet. Es lenkte nicht nur Frostluft nach Europa, sondern versperrte auch den atlantischen StĂŒrmen den gewohnten Weg in Richtung Island. So mussten die Tiefs nach SĂŒden ausweichen und tobten sich statt dessen ĂŒber bzw. nahe den Ferieninseln aus.

Marburg, am 28.02.2010

Herzlichst, Ihr JĂŒrgen Vollmer
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