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Die Witterung in Marburg im September 2010
Herbst bremste Altweibersommer aus
Gibt fr√ľher Herbst erste Hinweise f√ľr weiteren Kaltwinter?

September 2010
Bilanz: Normal feucht und mit 97,2% Regen - Deutlich zu kalt, Abweichung: -1,56 Grad
Wer sich vom September noch einen Nachschlag des in diesem Jahr viel zu fr√ľh geendeten Sommers erhofft hatte wurde herbe entt√§uscht. Trotz ein paar wenigen Tagen mit strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen vermochte sich der Altweibersommer nicht dauerhaft gegen die hartn√§ckige √úbermacht k√ľhler und wolkenreicher Luftmassen durchzusetzen. Wie zuvor auch schon im August √ľbernahmen immer wieder Tiefausl√§ufer die Wetterregie und sorgten f√ľr sehr wechselhafte Witterung.

So blieben die Temperaturen im Marburger Land im Durchschnitt etwa anderthalb Grad hinter den langj√§hrigen Mittelwerten zur√ľck. Dabei war es am 12. und am 22. mit jeweils knapp 23 Grad am w√§rmsten, die niedrigsten Werte wurden in der Nacht zum 19. gemessen, wo das Quecksilber in Marburg (ebenso wie sp√§ter auch am 30.) auf knapp unter 4, im Ebsdorfergrund auf 2 und in Biedenkopf sogar auf nur noch 1 Grad √ľber dem Gefrierpunkt sank. Dort reichte es an diesem kalten Morgen am Erdboden sogar schon f√ľr geringen Frost mit dem ersten Reif.

Immerhin entsprach die in der Region gefallene Regenmenge mit rund 40 bis 50 Litern pro Quadratmeter weitgehend dem Durchschnitt der Jahre. Da es aber von nur kurzen, trockenen Phasen unterbrochen an insgesamt 20 Monatstagen regnete, wurden allf√§llige Feldarbeiten wie schon im nassen August immer wieder behindert und auch die Qualit√§t vieler Herbstfr√ľchte litt unter der vorwiegend feuchtk√ľhlen Witterung.

So mag es √ľberraschen, dass die Zahl der Sonnenstunden im September trotz des so unbest√§ndigen Wetters nur unbedeutend hinter den langj√§hrigen Sollwerten zur√ľck blieb und somit den klimatischen Mittelwerten nahezu entsprach. Schuld daran war die an den wenigen Sch√∂nwettertagen vorwiegend k√ľhle und trockene Nordluft. Sie d√§mpfte die n√§chtliche Nebelbildung, so dass die Sonne - anders als an den meist vernebelten Vormittagen eines warmen Altweibersommers - oft schon von der Fr√ľhe an scheinen konnte.

Alles in allem zeichnete sich der erste Herbstmonat jedenfalls wie zuvor auch schon der August durch einen eher ungew√∂hnlichen Witterungsverlauf aus. So zeigte die Gro√üwetterlage weiterhin auff√§llige Abweichungen vom "normalen" Muster in der so genannten Westwindzone der gem√§√üigten Breiten. Nach wie vor dominierten blockierende Wetterlagen mit s√ľdlichen, √∂stlichen oder n√∂rdlichen Winden, wogegen sich westliche Winde immer nur bei Wetterwechseln und nur f√ľr kurze Zeit einstellen mochten.

Damit setzte sich die schon im vergangenen Winter begonnene St√∂rung der normalen atmosph√§rischen Str√∂mungsverh√§ltnisse fort und mit ihr die Tendenz zu einer drastischen Verminderung des Einflusses gem√§√üigter, atlantischer Winde. Setzt sich diese Entwicklung √ľber den Herbst hinaus fort, k√∂nnte das gest√∂rte Windmuster in Europa m√∂glicherweise auf einen weiteren Kaltwinter zusteuern. Der klimatische Vorteil, den die Warmwasserheizung "Golfstrom" f√ľr Europa normalerweise mit sich bringt kommt n√§mlich nur dann zum Tragen, wenn westliche Winde die atlantischen Luftmassen weit ins Binnenland transportieren. Wird diese ausgleichende Windstr√∂mung jedoch f√ľr l√§ngere Zeit blockiert, geht der Klimavorteil verloren und der Einfluss kontinentaler Witterungstypen nimmt zu.

Noch ist es freilich zu fr√ľh, um aus den aktuellen Beobachtungen auf die Fr√ľhstadien eines kalten Winters zu schlie√üen. Sollte dem unterk√ľhlten September jedoch ein insgesamt warmer und trockener Oktober folgen, w√§re dies ein weiteres, starkes und auch von der vergleichenden Statistik gest√ľtztes Indiz daf√ľr, dass der kommende Winter wie schon sein Vorg√§nger hierzulande wieder k√§lter ausfallen k√∂nnte, als wir dies von den zumeist milden Wintern der vergangenen zwei Jahrzehnte gewohnt sind.

Marburg, am 30.09.2010

Herzlichst, Ihr J√ľrgen Vollmer
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