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Die Witterung in Marburg im April 2011
Viel Sonne und außergewöhnlich warm
Nach zweitem Trockenmonat in Folge w√§chst die D√ľrregefahr

April 2011
Bilanz: Sehr trocken mit nur 45 % Regen - außergewöhnlich warm / Abweichung: +4,44 Grad - sehr sonnig / Vergleich Klimamittel: 138,3 %
Wie schon der M√§rz zeichnete sich auch der Aprilmonat durch extreme Witterungsverh√§ltnisse aus: So brachte der Monat im Marburger Land einen W√§rme√ľberschuss von rund 4 1/2 Grad, die Zahl der Sonnenscheinstunden lag rund 40 Prozent √ľber dem langj√§hrigen Mittelwert und die Regensumme stagnierte mit nur 20,9 Liter je Quadratmeter in Marburg bei nur etwa 45 Prozent der monats√ľblichen Niederschlagsmenge. Da sich die Verdunstungskraft der Luft gleichzeitig jedoch auf nahezu 100 Liter je Quadratmeter aufsummiert hatte, blieb die klimatische Wasserbilanz wie schon im Vormonat extrem negativ, auch wenn dem Verdunstungsprozess tats√§chlich l√§ngst nicht mehr so viel Wasser zur Verf√ľgung stand.

Zwar entzog die dank des oft strahlenden Sonnenscheins geradezu explodierende Vegetation den B√∂den viel Wasser zur Bildung von Trieben, Bl√ľten und Bl√§ttern. Wegen des dabei jedoch immer deutlicher hervortretenden Mangels an verf√ľgbarem Bodenwasser verlief das Wachstum allerdings deutlich langsamer, als dies bei ausreichend Wasser m√∂glich gewesen w√§re. Flach wurzelnde Pflanzen, vor allem junge An- und Aussaaten, litten sogar schon erheblich unter der hartn√§ckigen Trockenheit und mussten h√§ufig k√ľnstlich bew√§ssert werden. Daran vermochten auch ein paar Regenschauer in der Nachosterwoche nur noch wenig zu √§ndern.

Der Landwirte Leid war der anderen Freud: So weckte das sonnige und gerade zu den Ostertagen sogar schon sommerlich warme Wetter bei den meisten Menschen die Lebensgeister, denn das Bilderbuchwetter bot viel Gelegenheit, Licht und W√§rme zu tanken und das Wiedererwachen der Natur bei Freizeit, Sport und Spiel oder auch in geselliger Runde im Stra√üencaf√© oder beim Grillabend in vollen Z√ľgen zu genie√üen. Allerdings gab es auch dabei einen dicken Wehrmutstropfen: Selten war der Flug von Birkenpollen so stark und so aggressiv wie in diesem Jahr und so gerieten die so sonnigen Fr√ľhlingstage f√ľr heuschnupfengeplagte Menschen vielfach zu einer qu√§lenden Leidenszeit.

W√§rmster Tag war in Marburg der Ostersamstag mit 26 Grad, aber auch im Ebsdorfergrund und in Biedenkopf wurde die 25-Grad-Marke und damit die Schwelle zu einem so genannten "Sommertag" bereits √ľberschritten. Nur im Hinterland blieb es mit Werten um 23 Grad noch etwas k√ľhler. Insgesamt brachte der April in Marburg drei solcher Sommertage. K√§ltester Morgen war der 15. mit kaum 1 Grad in Marburg und Ebsdorf und sogar minus 3 Grad in Biedenkopf. Am Boden gab es um die Monatsmitte sogar noch an einer ganzen Reihe von Tagen Frost und Reif. Trotzdem heizte die intensive Aprilsonne tags√ľber so stark ein, dass die Mitteltemperaturen letztlich um die bereits erw√§hnten 4 1/2 Grad √ľber den langj√§hrigen Klimadurchschnitt ansteigen konnten.

Die Kombination von Sonnenschein, W√§rme und ausbleibendem Regen ist es √ľbrigens, die nicht nur im Hochsommer, sondern auch schon im Fr√ľhling leicht in eine bedrohliche D√ľrre abgleiten kann. Bleiben die dringend ben√∂tigten, ergiebigen Regenf√§lle auch im Mai weiterhin aus, besteht bei vielen Kulturpflanzen die Gefahr von Trockenheitssch√§den bis hin zu ernsten Ertragsausf√§llen. - Der extreme Witterungsverlauf dieses Fr√ľhlings k√∂nnte sich dann zu einer verh√§ngnisvollen D√ľrre auswachsen.

Allerdings z√§hlen die Monate Mai und Juni im zentralen Deutschland normalerweise zu den regenreichsten Monaten des ganzen Jahres, so dass durchaus Hoffnung auf ein baldiges Ende der Trockenheit besteht. Grund ist der dann f√ľr gew√∂hnlich wieder h√§ufiger von S√ľden oder S√ľdwesten her wehende Wind. Er bringt vom Atlantik oder vom Mittelmeer viel Feuchtigkeit mit, die sich hierzulande nicht selten in heftigen Gewitterg√ľssen entl√§dt. Besser als solche bisweilen zum Unwetter geratenden Gewitter w√§re aber ein lang andauernder, gleichm√§√üiger Landregen bei k√ľhlen Temperaturen. Er g√§be der d√ľrstenden Natur endlich genug Zeit um sich nachhaltig mit dem lebensspendenden, himmlischen Nass voll zu saugen.

Marburg, am 30.04.2011

Herzlichst, Ihr J√ľrgen Vollmer
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