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Die Witterung in Marburg im Juni 2011
Ende der DĂŒrre – aber immer noch Regen nötig
Was verheißt der "SiebenschlĂ€fer" fĂŒr den Hochsommer?

Juni 2011
Bilanz: Normal feucht mit 97 % Regen - etwas zu warm / Abweichung: +1,02 Grad - wenig Sonne / Vergleich Klimamittel: 86,9 %
Erstmals seit Februar ging mit dem Juni mal wieder ein Monat mit einem deutlichen Minus beim Sonnenschein ins Land. So erreichte die mittlere Sonnenscheindauer mit 176 Stunden nur etwa 87 Prozent des gesamtmonatlichen Klimasolls. Nach dem weit ĂŒberdurchschnittlich sonnigen, trockenen und außergewöhnlich warmen FrĂŒhling zeigte sich der erste Sommermonat zudem recht durchwachsen und nĂ€herte sich so mitteleuropĂ€ischen NormalzustĂ€nden wieder etwas an.

Junisonne 2011

Auch die extreme DĂŒrrezeit der Vormonate ging im Juni endlich zu Ende. Zwar kam die monatsĂŒbliche Regensumme mit 63,3 Litern je Quadratmeter in Marburg nicht ganz zusammen (Klimamittel: 65 Liter), doch fĂŒr die ausgedörrte Natur waren diese NiederschlĂ€ge ĂŒberlebenswichtig. Sie kamen fĂŒr viele Kulturpflanzen buchstĂ€blich im letzten Moment. Ob sich die Natur von der vorangegangenen, großen Trockenheit nun noch erholen kann, hĂ€ngt von der weiteren Witterungsentwicklung im Hochsommer ab. Wahrscheinlich können die bereits verursachten SchĂ€den allenfalls noch etwas abgemildert werden.

Zum GlĂŒck fiel der Juniregen nur selten in Form von WolkenbrĂŒchen, so dass den ausgetrockneten Böden auch genug Zeit blieb, das kostbare Nass aufzunehmen. Damit konnte sich die große DĂŒrre im Lauf des Juni unterm Strich zwar etwas entspannen, doch verblieb – bezogen auf den Jahresverlauf immer noch ein enormes Regendefizit von mehr als 100 Litern. Normalerweise fallen im Marburger Land im ersten Halbjahr je nach Region zwischen 300 und fast 400 Liter Regen pro Quadratmeter. Diesjahr kamen erst 200 bis 250 Liter des himmlischen Nass zusammen.

Bei den Temperaturen bescherte der Juni allerdings eine weitgehende Normalisierung: Mit einem WĂ€rmeĂŒberschuss von nur rund einem Grad gegenĂŒber den langjĂ€hrigen Mittelwerten bewegte sich das Quecksilber nur noch wenig ĂŒber dem Rahmen der normalen, klimatischen Schwankungsbreite. Extreme brachte der Monat kaum hervor. Bei 11 so genannten Sommertagen mit mindestensd 25 Grad wurde die monatliche Höchsttemperatur am 28. Juni erreicht und betrug in Marburg 32,6 Grad. Da die Temperatur auch am 4. bis und am 27., dem SiebenschlĂ€fertag, ĂŒber die 30-Grad-Marke geklettert war, gab es im Juni insgesamt drei heiße Tage mit Höchstwerten von mindestens 30 Grad. Am kĂ€ltesten war es dagegen am Morgen des 9. mit nur knapp 8 Grad.

Jetzt bleibt mit Spannung die Entwicklung der Hochsommerwitterung abzuwarten. Dies gilt umso mehr, weil sich in diesem Jahr genau zum SiebenschlĂ€fertag, am 27. Juni, sonniges und heißes Sommerwetter eingestellt hat. Nach dem Volksmund sollten daher nun sieben Wochen lang Sonne und Hitze regieren.

Zum GlĂŒck hĂ€ngt die Entwicklung der Hochsommerwitterung jedoch NICHT vom Wetter eines einzelnen Tages, sondern von der Witterungstendenz eines mehrtĂ€gigen Zeitraumes ab. Auch weil sich der ursprĂŒngliche Termin des SiebenschlĂ€fertages bereits im Mittelalter wegen einer Kalenderreform um 10 Tage nach hinten verschoben hat, umfasst der maßgebliche Zeitraum fĂŒr die SiebenschlĂ€ferregel die Zeit von Ende Juni bis gegen Ende der ersten Julidekade. Stellt sich die vorherrschende Witterung innerhalb dieses Zeitraumes grundlegend um, bleibt der neue Witterungstyp meist auch fĂŒr lĂ€ngere Zeit - und damit wĂ€hrend der zentralen Hochsommerwochen - dominierend.

Bezogen auf die aktuelle Witterung ist daher noch Vieles möglich. Am wahrscheinlichsten ist wohl ein mitteleuropĂ€ischer "Normalsommer" und damit ein wechselhafter Witterungstyp mit sowohl heißen, als auch mit kĂŒhlen und feuchten Abschnitten. Sollte sich die Großwetterlage allerdings innerhalb der ersten Julidekade auf ein bestĂ€ndigeres Windmuster Ă€ndern, hĂ€ngt alles davon ab, ob sich vornehmlich sĂŒdliche, östliche oder eher westliche Winde dauerhaft durchsetzen können. Die dann vorherrschende Windrichtung entscheidet darĂŒber, ob der Hochsommer trocken und heiß oder - infolge hĂ€ufig durchziehender, atlantischer TiefauslĂ€ufer wechselhaft und eher kĂŒhl verlaufen wird.

Marburg, am 30.06.2011

Herzlichst, Ihr JĂŒrgen Vollmer
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