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Die Witterung in Marburg im Juli 2011
Schaukelsommer vermasselt die Ferienzeit
Oft feucht, nordisch kühl und nur spärlich Sonne

Juli 2011
Bilanz: Normal feucht mit 96 % Regen - zu kühl / Abweichung: -1,21 Grad - sehr wenig Sonne / Vergleich Klimamittel: 58,6 %
Nach sechs mehr oder weniger deutlich zu warmen Monaten in Folge zeigte sich ausgerechnet der Juli nordisch kühl, häufig feucht und vielfach grau verhangen. Grund des unterkühlten Witterungsverlaufs waren hartnäckige, westliche Winde, die immer wieder wolkenreiche Luftmassen vom Nordatlantik nach Mitteleuropa lenkten. Damit geriet der Haupturlaubs- und Ferienmonat nach noch halbwegs warmem Auftakt zur Monatsmitte völlig aus der Spur und bei Höchsttemperaturen teils nur wenig über 15 Grad fühlte man sich bei wiederholten Regengüssen schon geradezu in den Herbst versetzt.

So gab es im Urlaubs- und Ferienmonat nur 8 so genannte Sommertage mit Höchsttemperaturen von mindestens 25 Grad und keinen einzigen heißen Tag mit mindestens 30 Grad. Wärmster Tag in Marburg war - kurz vor dem so abrupten Absturz in den vorgezogenen Frühherbst - der Monatszwölfte mit 29,4 Grad. Schon kurz darauf war es mehr als 20 Grad kälter: Am Morgen des 16. zeigte das Quecksilber nur noch 8,2 Grad und ähnlich kalt blieb es sodann für längere Zeit. So wurden am Morgen des 23. unmittelbar über dem Erdboden nur 5,6 Grad gemessen und bis zum Monatsende summierte sich das Wärmedefizit in der Region im klimatischen Mittel auf 1,2 Grad, womit der Juli insgesamt deutlich zu kühl bilanzierte.

Aber auch beim Sonnenschein war in der Region ein beträchtliches Minus zu verzeichnen: So erreichte die durchschnittliche Sonnenscheindauer nicht einmal 60 Prozent des monatlichen Solls und manch Einer gedachte mit Wehmut der so sonnenscheinreichen Frühlingsmonate März bis Mai.

Julisonne 2011

Denn anders als in jenen von beständigen Hochdruckgebieten geprägten Trockenmonaten ging der Juli immer wieder mit regenträchtigen Wetterfronten einher. Dabei war es gefühlt so wechselhaft und nass wie normalerweise in einem Aprilmonat. Dennoch bewegte sich die Niederschlagsbilanz im Marburger Land auf nahezu ausgewogenem Niveau, d.h. mit 96 Prozent der langjährigen Mittelwerte war es weder zu nass, noch zu trocken.

Trotzdem litten viele Landwirte zusammen mit den sonnenhungrigen Hessen unter dem Mangel an trockenwarmem Wetter: Heu mochte bei den dominierenden Wetterbedingungen kaum trocknen und auch den Reifeprozessen des durch die vorangegangene Trockenheit bereits geschädigten Getreides tat die feuchtkalte Witterung nicht wirklich gut: Der Regen kam um gut drei Monate zu spät. So erwies sich der Juli 2011 unterm Strich als einer der unbeständigsten und kältesten seit Jahren und alle Hoffnungen richten sich nunmehr auf einen sonnigeren und wärmeren August.

Die Chancen, dass der so klassische Siebenschläfersommer im Lauf des letzten Sommermonats wenn schon nicht mehr in heißes, so doch wenigstens noch einmal in freundliches und trockenes Spätsommerwetter münden wird, stehen übrigens gar nicht so schlecht: So stellt sich die hochsommerliche Großwetterlage in der Regel etwa Mitte August meist noch einmal grundlegend um. War es zuvor sonnig und heiß, folgt gern wechselhaftes und feuchtkühles Wetter, war es dagegen - wie in diesem Jahr - zuvor wechselhaft, feucht und kühl, übernehmen dann nicht selten beständigere Hochdruckwetterlagen das Zepter und entschädigen für die vorangegangenen, entbehrungsreichen Regenwochen.

Wer nun allerdings aus dem verunglückten, mitteleuropäischen Hochsommer auch beim Klimawandel eine Trendwende herleiten zu können glaubt, wird von der globalen Wirklichkeit eines Besseren belehrt: So zeigte sich der Sommer 2011 in weiten Teilen der USA extrem heiß, aber auch in vielen Teilen Nordrusslands und Skandinaviens war es - wie schon 2010 - deutlich wärmer als sonst, so dass sich die lange Reihe der weltweit zu warmen Monate auch im Juli 2011 weiter fortgesetzt hat.

Marburg, am 31.07.2011

Herzlichst, Ihr Jürgen Vollmer
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