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Die Witterung in Marburg im MĂ€rz 2012
Warm, ziemlich sonnig und viel zu trocken
LÀsst Klimawandel Grönlands Eisschild schmelzen?

MĂ€rz 2012
Bilanz: Extrem trocken mit nur 16,6 % Regen - außergewöhnlich warm / Abweichung: +4,13 Grad
Mit einem Temperaturplus von etwas mehr als 4 Grad und einem SonnenscheinĂŒberschuss von fast 50 Prozent gebĂ€rdete sich der Lenzmonat außergewöhnlich sonnig und extrem warm. Gleichzeitig bilanzierte der erste FrĂŒhlingsmonat auch noch extrem trocken: So fielen im Marburger Land je nach Exposition nur 8 bis 14 Liter Regen pro Quadratmeter und damit nur 15 bis 20 Prozent der klimatischen Mittelwerte.

WĂ€rmster Tag war der 25., wo in Marburg 21,4 und auch im Umland verbreitet schon frĂŒhlingshafte Werte ĂŒber 20 Grad gemessen wurden. KĂ€ltester Morgen war der 7. mit knapp unter minus 2 Grad in der Stadt und Werten von minus 3 bis minus 4 Grad im Ebsdorfergrund und im Hinterland. Unmittelbar ĂŒber dem Erdboden sank das Quecksilber an diesem Morgen vielfach sogar nochmals unter die Minus-5-Grad-Marke. Reif und Eis aus den Nachtstunden hatten jedoch – ebenso wie letzte FrĂŒhnebelfelder keinen Bestand mehr.

Bei aller Freude ĂŒber das so "schöne" FrĂŒhjahr muss allerdings angemerkt werden, dass die damit verbundene Trockenheit fĂŒr die Natur schon wieder puren Stress bedeutete. Denn gerade im FrĂŒhjahr sind NiederschlĂ€ge besonders wichtig, damit sich die Pflanzen entwickeln können. Fehlt das Wasser fĂŒr eine zĂŒgige Bildung von Knospen, BlĂ€ttern und BlĂŒten gerĂ€t die Entwicklung zwangslĂ€ufig ins stocken. Dies lĂ€sst auch mit Blick auf den Aprilmonat bangen: So sind allein vier der letzten fĂŒnf Aprilmonate erheblich zu warm und teils extrem trocken ausgefallen. Vor diesem Hintergrund stellt sich einmal mehr die Frage nach dem Klimawandel.

Und es mutet in der Tat wie ein Horrorszenario an, was Forscher des Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung inmitten der FrĂŒhjahrswarmzeit im MĂ€rz in einer neuen Studie zum Klimawandel vorgestellt haben: Sie warnen, dass der Meeresspiegel schon bald um mehrere Meter ansteigen und den Lebensraum von Millionen Menschen ĂŒberfluten könnte. Grund fĂŒr diese Katastrophe biblischen Ausmaßes sei das bevorstehende, fast vollstĂ€ndige Abschmelzen des ĂŒber 3000 Meter mĂ€chtigen Eispanzers der Arktisinsel Grönland.

Wie die Forscher erklĂ€ren, wĂŒrde es im Falle einer KlimaerwĂ€rmung von nur zwei Grad rund 50.000 Jahre, bei ungehemmtem CO2-Eintrag in die AtmosphĂ€re sogar nur etwa 2.000 Jahre dauern, bis der Eisschild Grönlands fast vollstĂ€ndig abgeschmolzen wĂ€re. Gleichzeitig wĂŒrde der Wasserspiegel der Weltmeere anschwellen, die KĂŒstenlinien meterhoch ĂŒberfluten und zahllose Metropolen zerstören. Schon eine globale ErwĂ€rmung von nur 1,6 Grad ĂŒberschreite wahrscheinlich den Punkt, der diese VorgĂ€nge unumkehrbar in Gang setze, mahnen die Potsdamer Forscher.

Ob sich nachfolgende Generationen tatsĂ€chlich auf ein solches Schreckensszenario einstellen mĂŒssen, ist entgegen dem beschwörenden Alarmruf der Forscher allerdings höchst ungewiss. Denn trotz aller Fortschritte auf dem Gebiet der Klimaforschung handelt es sich nur um ein Rechenmodell und nicht um die Wirklichkeit. Zwar glauben die Forscher, bei ihren Berechnungen alle relevanten Faktoren berĂŒcksichtigt zu haben, doch wie die Erdgeschichte lehrt, hĂ€lt die Wirklichkeit stets UnwĂ€gbarkeiten und Überraschungen bereit, die auch von den besten Modellen nicht vorhersehbar sind.

Gerade bei der Erforschung natĂŒrlicher Klimaschwankungen ist unser Wissen nur rudimentĂ€r. So stehen etwa VulkanausbrĂŒche in Verdacht in der Vergangenheit wiederholt dramatische AbkĂŒhlungen verursacht zu haben, zuletzt im Mittelalter. Darauf rĂŒckten die Gletscher jahrhundertelang vor, erreichten ihre grĂ¶ĂŸte Ausdehnung aber erst in der Neuzeit. Auch die auf Grundlage der Forschung weniger Jahrzehnte nun fĂŒr Grönlands Gletscher berechnete Gnadenfrist von 2.000 bis 50.000 Jahren ist nach geologischen MaßstĂ€ben nur ein Wimpernschlag in der Zeit und auch nur ein einziger, großer Vulkanausbruch könnte all’ diese Berechnungen mit einem Schlag in ihr glattes Gegenteil verkehren ...

Marburg, am 31.03.2012

Herzlichst, Ihr JĂŒrgen Vollmer
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