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Die Witterung in Marburg im Dezember 2013
Sehr trocken und ausgesprochen mild
Neuer Kälterekord der Erde: Ein Rekord, der keiner ist!

Dezember 2013
Bilanz: Recht trocken mit 88 % Regen - außerordentlich mild / Abweichung: + 3,0 Grad
Zum Auftakt der Adventszeit sah es noch so aus, als wolle sich der Weihnachtsmonat beim Wetter recht durchschnittlich entwickeln: Ein Kaltluftvorsto√ü brachte kurz vor dem Nikolaustag erst Sturm und dann die erste d√ľnne Schneedecke dieses Winters. Der hatte allerdings bei Temperaturen knapp √ľber dem Gefrierpunkt tags√ľber keinen Bestand und schmolz rasch wieder dahin. Und kurz darauf ging es mit den Temperaturen wieder bergauf und fortan wechselten sich Nebel und Sonne ab, nachts gab es ab und zu leichten Frost und etwas Reif. Erst kurz vor Weihnachten brachten Wetterfronten wieder Regen und Wind, aber Winterwetter mit Schnee und Frost mochte sich bis zum Jahresende nicht mehr einstellen.

Mildester Tag war in Marburg und vom Ebsdorfergrund bis zum Am√∂neburger Becken ausgerechnet der 24. mit fast 13 Grad, aber auch im h√∂her gelegenen Hinterland reichte es an Heiligabend immerhin noch f√ľr zweistellige 11 Grad. K√§ltester Morgen war der 3. mit minus 3 Grad, am Erdboden wurden sogar je nach Lage minus 6 bis minus 8 Grad erreicht. Dennoch schlugen die milden Tagesstunden insgesamt st√§rker zu Buche, sodass die monatliche Durchschnittstemperatur auch w√§hrend dieser vergleichsweise k√ľhlen Phase immer noch √ľber dem Klimamittel verharrte. Der dann im letzten Monatsdrittel erfolgte Temperaturanstieg auf geradezu fr√ľhlingshafte Werte, erh√∂hte dieses Temperaturplus auf rund 3 Grad, womit der Monat insgesamt schon au√üergew√∂hnlich mild bilanzierte.

Bei der Zahl der Sonnenstunden hielt sich der Dezember im oberen Normalbereich. Die monatliche Sonnenscheindauer lag knapp 10 Prozent √ľber dem Klimamittel. Geiziger zeigte sich der Monat dagegen beim Niederschlag: So kamen in Marburg nach einer sehr trockenen Vorweihnachtszeit erst zu den Weihnachtstagen wieder gr√∂√üere Niederschlagsmengen zusammen. Immerhin reichte es noch f√ľr insgesamt 88 Prozent der nach dem langj√§hrigen Mittel zu erwartenden Regen- oder Schneef√§lle. Zuvor war bis zum vierten Adventssonntag kaum ein Drittel des monatlichen Regensolls gefallen.

Kaum ins Gewicht f√§llt diese Niederschlagszugabe allerdings bei der Jahresbilanz: Die lag mit 731 Liter pro Quadratmeter in Marburg um rund 12 Prozent √ľber dem j√§hrlichen Klimamittel, das Jahr war damit feuchter als normal, das Regensoll bereits in den ersten Novembertagen erf√ľllt. Beim Sonnenschein vermochten die freundlichen Sommermonate den ausgesprochen tr√ľben Jahresauftakt allerdings nicht ganz ausgleichen, sodass 2013 bei der Zahl der Sonnenstunden mit etwa 92 Prozent leicht hinter dem Klimamittel zur√ľckblieb. Die Durchschnittstemperatur lag dagegen mit 9,54 Grad wiederum leicht √ľber dem Klimamittel von 8,9 Grad. Das Jahr 2013 war im Raum Marburg also feuchter und letztlich auch etwas w√§rmer als im Durchschnitt der Jahre.

M√∂glicherweise wird dies auch f√ľr die Bilanz der weltweiten Durchschnittstemperatur dieses Jahres gelten. Darauf deuten zumindest erste Absch√§tzungen aus bereits vorliegenden Datens√§tzen hin, wobei aber bei der Bewertung globaler Messdaten stets Vorsicht geboten ist, weil diese zu einem guten Teil ja von Satelliten aus dem Weltall ermittelt werden. Und Satellitendaten sind nunmal ihrer indirekten Erfassung wegen mit auf der Erde gemessenen Werten nur sehr bedingt vergleichbar. Trotzdem werden aus solchen Datens√§tzen bedauerlicherweise nicht immer auch die wissenschaftlich korrekten Schlussfolgerungen gezogen, vor allem dann nicht, wenn sich mit ihnen vermeintliche Sensationsmeldungen in den Medien inszenieren lassen.

Dazu ein Beispiel aus j√ľngster Zeit: Am 8. Dezember 2013 gaben Wissenschaftler des National Snow and Ice Data Center (NSIDC) in Boulder, USA, nach Auswertung von Satellitendaten bekannt, sie h√§tten auf der Antarktis mit minus 93,2 Grad f√ľr den 10. August 2010 einen neuen weltweiten K√§lterekord ermittelt. Der bisherige K√§lterekord der Erde von minus 89,2 Grad stammt von der russischen Antarktis-Forschungsstation Wostok, wo dieser Wert am 21. Juli 1983 - freilich in der √ľblichen Messh√∂he von zwei Metern √ľber Grund - gemessen worden ist.

Das Problem mit dem vorgeblich "neuen" Rekord: Satelliten ermitteln nicht die Temperatur der LUFT, sondern lediglich die Temperatur der Erdoberfl√§che, in diesem Fall also der Oberfl√§che der Schneedecke. Sie sind daher keinesfalls (!) mit der √ľblicherweise in zwei Meter H√∂he vorgenommenen Messung der LUFT-Temperatur vergleichbar. Der Grund: Die Temperaturdifferenz zwischen Luft in zwei Meter H√∂he und der Oberfl√§che von Eis oder Schnee kann in windschwachen, klaren Wintern√§chten ohne weiteres f√ľnf bis zehn Grad oder sogar noch mehr betragen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die LUFT-Temperatur am Ort des jetzt behaupteten, neuen K√§lterekordes mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich oberhalb der in Wostok gemessenen minus 89,2 Grad gelegen hat. Anderslautende Vermutungen der NSIDC-Forscher sind reine Spekulation und keine wissenschaftlichen Ergebnisse. Von einem "neuen K√§lterekord" kann also nicht die Rede sein!

Deshalb bleibt selbstverst√§ndlich auch der alte, offizielle K√§lterekord der Forschungsstation Wostok allen anderslautenden Verlautbarungen zum Trotz zumindest solange weiter g√ľltig, bis erdgebundene Wetterstationen in der weltweit genormten Messh√∂he von zwei Metern √ľber Grund tats√§chlich einen tieferen Temperaturwert der LUFT registrieren. Nach wissenschaftlichen Spielregeln existiert der von der NSIDC vermeldete neue "K√§lterekord" jedenfalls definitiv nicht.

Mit derart medienwirksam ertricksten Sensationsmeldungen erweisen die Forscher allerdings auch der Ernsthaftigkeit der Klimadebatte einen B√§rendienst: Auch dort ist es g√§ngige Praxis, zur Untermauerung von behaupteten Ver√§nderungen der weltweiten Temperaturen immer wieder moderne Satelliten-Messverfahren heranzuziehen, obwohl solche Verfahren auch dort entweder nicht oder nur bedingt mit zur√ľckliegenden Klimadatenreihen vergleichbar sind. Denn die hochmodernen Fernerkundungs-Verfahren stehen erst seit wenigen Jahrzehnten zur Verf√ľgung, sodass Referenzwerte insbesondere √ľber den riesigen Fl√§chen der unser Klima ma√ügeblich steuernden Weltmeere kaum existieren. Dessen ungeachtet werden Klima√§nderungen f√ľr einen guten Teil unseres Planeten auf Basis solcher Satellitendaten ganz einfach hochgerechnet und liefern so nicht nur skeptischen Klimawissenschaftlern, sondern auch den Lobbyisten der allein gewinnorientierten, fossilen Industrie ohne Not veritable Steilvorlagen.

Meldungen wie der vermeintlich "neue K√§lterekord" der Erde sind daher keinen Deut seri√∂ser als etwa die beharrlich alle geowissenschaftlichen Erkenntnisse ignorierende Behauptung der fossilen Industrie, ihr hemmungsloses Wirken bliebe ohne Folgen f√ľr die Klimaentwicklung unseres Planeten ...

Marburg, am 31.12.2013

Herzlichst, Ihr J√ľrgen Vollmer
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