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Die Witterung in Marburg im August 2015
Trotz viel Hitze Linderung der Dürre
Hitzesommer 2015 schreibt auch weltweit Klimageschichte

August 2015
Bilanz: Etwas feuchter als im Mittel mit 116 % Regen - sehr warm / Abweichung: +2,7 Grad
Mit einer Mitteltemperatur von fast genau 20 Grad war auch der letzte der drei Sommermonate, der August, im Marburger Land erheblich wärmer als im Durchschnitt der Jahre. Auch die Sonne zeigte sich deutlich länger als im Klimamittel, sodass der Monat trotz wechselhaften Phasen insgesamt sonnig und damit ausgesprochen sommerlich verlief. Zudem setzte sich auch die außergewöhnliche Trockenheit der Vormonate zunächst noch fort. Erst zur Monatsmitte führten einige kühle Tage mit ergiebigem Dauerregen zu einer ersten leichten Linderung der Dürre in der Region. Ein weiterer Tag mit ergiebigem Regen brachte schließlich am 28. endlich auch die lang ersehnte Entspannung: Mit einer Gesamtregenmenge von 68 Litern pro Quadratmeter lag die Niederschlagssumme im August erstmals seit dem März wieder leicht über dem klimatischen Mittelwert. Trotzdem blieb die klimatische Wasserbilanz des Gesamtsommers deutlich negativ und die von der immer wiedergekehrten Hitze ausgelösten Dürreschäden sind auch im Herbst nicht mehr heilbar.

Heißester Tag war der 7. mit 35,4 Grad in Marburg und immer noch 33 Grad im kühleren Hinterland. Dabei wurden 22 Sommertage, also Tage mit mindestens 25 Grad, und 8 heiße Tage mit 30 Grad und mehr registriert. So viele warme und sehr warme Tage hatte ein Augustmonat schon lange nicht mehr zu bieten. Zusammen mit den siebzehn Sommertagen und zehn heißen Tagen im Juli sowie zwölf Sommertagen und zwei heißen Tagen im Juni bringt es der Sommer 2015 also auf insgesamt 51 Sommertage, von denen stolze 20 sogar heiße Tage waren.

Während die Nächte in der ersten Monatshälfte noch sehr lau waren, wurden sie nach der Monatsmitte auch bei warmem Wetter schon merklich frischer. Ursache war die gegenüber dem Vormonat bereits deutlich zurückgegangene Tageslänge. Stand die Sonne Anfang des Monats noch fast 15 1/2 Stunden über dem Horizont, waren es im letzten Monatsdrittel kaum noch 14 Stunden. Kältester Morgen war der 29., wo in der Region unter klarem Himmel vielfach kaum 10 Grad gemessen wurden, unmittelbar über dem Erdboden waren die Werte kurz vor Sonnenaufgang sogar schon einstellig.

Deutschland- und europaweit gesehen hatte der Sommer 2015 zwei höchst gegensätzliche Gesichter: Während Süd- und Südosteuropa ebenso wie der Süden Deutschlands von Juni an bis Ende August immer wieder unter teils extremen Hitzewellen und Dürre litten, blieb es nach Nordwesten hin ausgesprochen kühl und regional sehr nass. Dabei verlief die Grenze zwischen heiß und kühl meist über dem nordwestlichen Deutschland, so dass der Sommer dort auch nur durchschnittlich, teils sogar kühler als im langjährigen Mittel verlief. Daher wird man wohl vor allem an der Nordsee und in Schleswig-Holstein Schlagzeilen kaum nachempfinden können, wonach weltweit nicht nur der wärmste Juni, sondern auch der heißeste Juli seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen registriert worden sei. Ähnliche Schlagzeilen zum August stehen zwar noch aus, dürften aber in Kürze folgen.

Zudem mag man sich fragen, wie sich solche Meldungen damit vereinbaren lassen, dass auf der Südhalbkugel der Erde in den letzten Wochen teils klirrende Kälte registriert worden ist. So wurde aus Australien Mitte Juli der heftigste Wintereinbruch seit Jahrzehnten gemeldet, im Osten des Kontinents schneite es bis zu den Küsten herab. Und am Kältepol der Erde, an der Forschungsstation Wostok auf der Antarktis, wurde am 22. August mit minus 81 Grad sogar die tiefste Temperatur seit Jahren gemessen. Allerdings herrscht auf der Südhalbkugel der Erde während unserer Sommermonate stets gerade Winter und umgekehrt: Wenn bei uns der Winter regiert, ist auf den Südkontinenten Sommer.

Die jüngsten Meldungen über die Kälte dort können also nicht wirklich überraschen, sondern deuten nur darauf hin, dass die Wettergegensätze in den vergangenen Monaten weltweit besonders groß gewesen sind. So kann es sehr wohl regional besonders kalt gewesen sein, ohne dass dies etwas an der Tatsache ändert, dass die Durchschnittstemperatur der Erde heuer auf neue Rekordwerte gestiegen ist. Allerdings sollte man immer im Auge behalten, dass diese Aussage lediglich für die letzten rund 150 Jahre gilt, denn davor gab es Jahrmillionen lang nun mal noch keine systematische Wetterbeobachtung ...

Marburg, am 31.08.2015

Herzlichst, Ihr Jürgen Vollmer
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