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Die Witterung in Marburg im April 2017
Erst warm, dann kalt und viel zu trocken
Fr√ľhlingsw√§rme folgt Sp√§twinterk√§lte mit Wei√üen Ostern


April 2017
Bilanz: Ungew√∂hnlich trocken mit nur 43 % Regen - durchschnittlich k√ľhl / Abweichung: -0,2 Grad
Ung√ľnstiger konnte die Witterungsentwicklung im heurigen April kaum ausfallen: Erst war es sonnig und schon fast fr√ľhsommerlich warm, dazu aber knochentrocken. Dann st√ľrzten die Temperaturen ins Bodenlose: Kaltes Schauerwetter gipfelte in einem Wei√üen Osterfest mit heftigen Fr√∂sten in den N√§chten danach. Unterm Strich glichen sich W√§rme und K√§lte letztlich weitgehend aus. Die Sonne zeigte sich durchschnittlich oft, aber das Niederschlagsdefizit blieb sehr hoch, sodass die Pflanzenentwicklung gro√üe M√ľhe hatte, mit den viel zu sp√§rlichen Wasserreserven in den B√∂den halbwegs zurecht zu kommen.

Nachdem die Temperaturen im ersten Monatsdrittel noch mehr als zwei Grad √ľber dem Durchschnitt der Jahre gelegen hatten, gingen sie von der Monatsmitte an ebenso weit unter das langj√§hrige Mittel zur√ľck, sodass der April letztlich sogar noch geringf√ľgig unter dem Klimasoll bilanzierte. W√§rmster Tag war der 9. mit 22 Grad entlang von Lahn und Ohm, k√§ltester Morgen der 20. mit lausigen minus 3 Grad in der Stadt und sogar um minus 5 Grad im k√§lteanf√§lligen Umland. F√ľr alle w√§rmeliebenden Gew√§chse war das entschieden zu kalt und bedeutete f√ľr etliche bereits ge√∂ffnete Bl√ľten das Aus. Angebahnt hatte sich das Drama schon am Morgen des Ostermontag, der in der Region mit einer zentimeterhohen Schneedecke aufwartete. So viel Schnee Mitte April ist schon recht ungew√∂hnlich.

Auch bundesweit blieb diese Kaltwetterphase nicht ohne Folgen. Vor allem im S√ľden hatte die dort teils extreme K√§lte verheerende Auswirkungen f√ľr die Landwirtschaft. In einigen Regionen wurden bei rekordverd√§chtigen Temperaturen nahe minus 10 Grad mehr als 80 Prozent aller Obstbl√ľten und Weinreben gesch√§digt. Dort hatten die Landwirte keine Chance, die Sch√§den mittels Abbrennen von Frostkerzen, durch Strohfeuer oder gar den Einsatz von Hubschraubern in Grenzen zu halten.

Allerdings sind auch nicht alle dieser Ma√ünahmen zur Vermeidung von Frostsch√§den tauglich. So kann der beim Verbrennen feuchten Strohs entstehende Rauch die Luft nicht nennenswert erw√§rmen. Auch der Einsatz von Hubschraubern, deren Rotoren w√§rmere Luft aus etwa 20 Meter H√∂he mit der eisigen Luft am Boden verwirbeln sollen, bietet nur wenig Erfolg, ist jedoch unverh√§ltnism√§√üig teuer. Frostkerzen verm√∂gen die Luft immerhin um zwei bis drei Grad aufzuheizen, was bei nur leichtem Frost schon gen√ľgen kann, um gr√∂√üere Sch√§den abzuwenden. Am sichersten ist aber die Frostschutzberegnung: Sie setzt beim Gefrieren von Spr√ľhwasser genug Kristallisationsw√§rme frei, um die Bl√ľten und Triebe vor Unterk√ľhlung zu sch√ľtzen. Der d√ľnne Eispanzer, der sich dabei um die Gew√§chse legt, h√§lt die Temperatur konstant bei 0 Grad, was die Bildung von zerst√∂rerischem Eis in den empfindlichen Zellen gerade noch verhindert.

Trotz der kalten Nordmeerluft hielt sich die Niederschlagsbilanz im Aprilmonat in beschaulichen Grenzen. So kamen in der Marburger Region nur rund 20 Liter pro Quadratmeter Regen vom Himmel und damit noch nicht mal die H√§lfte der monats√ľblichen Durchschnittsmenge. Vor dem Hintergrund der schon in den Vormonaten aufgelaufenen Niederschlagsdefizite ist dies eine sehr ung√ľnstige Ausgangslage f√ľr den nun folgenden Fr√ľhsommer.

Wegen der zumeist freundlichen Witterung Anfang des Monats zeigte sich die Sonnenscheinbilanz allerdings nahezu ausgewogen. Am sonnigsten war es bundesweit √ľbrigens im S√ľdwesten des Landes. Dort wurde von der Mosel bis zum Bodensee das monatliche Sonnenscheinsoll um rund ein Drittel √ľberschritten, w√§hrend in den √∂stlichen Mittelgebirgen nur etwa drei Viertel der monats√ľblichen Sonnenstunden zu verzeichnen waren.

Marburg, am 30.04.2017

Herzlichst, Ihr J√ľrgen Vollmer
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