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Die Witterung in Marburg im Juli 2017
Durchschnittlich warm und sehr nass
Boulevard-Journalismus im Sommerloch: Der "S├╝dpol bricht auseinander"


Juli 2017
Bilanz: Ungew├Âhnlich nass mit 204 % Regen - Temperatur geringf├╝gig ├╝ber dem Mittel / Abweichung: +0,3 Grad
Mit einer Durchschnittstemperatur von 18,3 Grad war der Juli im Marburger Land nur geringf├╝gig w├Ąrmer als im Mittel der Jahre. W├Ąrmster Tag war der 19. mit knapp 32 Grad, am k├╝hlsten war es am Morgen des 13. mit nur 7, am Erdboden sogar nur 5 Grad. Immerhin brachte es der zentrale Hochsommermonat auf 14 Sommertage, also Tage mit Maxima von mindestens 25 Grad. Darunter waren sogar drei hei├če Tage mit mindestens 30 Grad.

Allerdings schlug die zuvor monatelange Trockenheit ins glatte Gegenteil um: Mit rund 120 Liter Regen pro Quadratmeter, die auch noch fl├Ąchendeckend niedergingen, kam an insgesamt 18 Tagen mit Regen mehr als das doppelte des Regensolls zusammen. Was f├╝r die rasch wieder ergr├╝nende Natur ein Segen war, bereitete den Landwirten allerdings Kummer: Wegen der st├Ąndigen Wetterwechsel hatten sie M├╝he, geeignete L├╝cken f├╝r den M├Ąhdrusch zu finden. Denn f├╝r die bestm├Âgliche Qualit├Ąt der Ernte w├Ąren mindestens drei aufeinanderfolgende, trockene Tage n├Âtig gewesen. Und damit tat sich der Juli schwer, zumal auch die Zahl der Sonnenstunden nur etwa 85 Prozent des Solls erreichte.

Die Gro├čwetterlage w├Ąhrend des sogenannten Siebenschl├Ąferzeitraums Anfang Juli hatte sich also nicht auf eine der beiden Varianten eingependelt, die entweder sonnige und hei├če oder tr├╝be und feuchtk├╝hle Hochsommerwitterung zur Folge haben. Vielmehr offenbarte der zentrale Hochsommermonat einen klassischen Schaukelsommer mit vielen Wettergesichtern. Kurze Hitzeperioden wurden stets von ebenso kurzen, k├╝hlen Perioden abgel├Âst, doch die meiste Zeit regierte wechselhaftes, zwar nicht unfreundliches und sogar leicht ├╝berdurchschnittlich warmes, allerdings - und das ist neu - auch ausgesprochen nasses Sommerwetter.

So fiel das himmlische Nass nicht nur in Form heftiger Gewitterg├╝sse, sondern auch mal als kr├Ąftiger Landregen. Und der kam zumindest f├╝r einen Teil der Feldfr├╝chte gerade noch zur rechten Zeit. F├╝r die begonnene Getreideernte war das wechselhafte Wetter dagegen ung├╝nstig: Das Ausbleiben l├Ąngerer trockenwarmer Wetterphasen machte eine Ernteplanung mit optimalen Ergebnissen schwer.

Gar nicht gut bekommen ist dieser Schaukelsommer ├╝brigens auch ganz offensichtlich den Redaktionsstuben eines Teils der Regenbogenpresse, ganz speziell demjenigen Blatt mit den vier Buchstaben: So titelte jenes Prachtexemplar des schillernden Boulevard-Journalismus am 13. Juli: "Der S├╝dpol zerbricht!"

Die Geschichte dahinter: Am Larsen-C-Eisschelf vor der K├╝ste der antarktischen Halbinsel ist ein gewaltiger Eisberg abgebrochen. Schon im letzten Jahr war ein tiefer Riss im Eis festgestellt worden, der in den folgenden Monaten immer weiter gewachsen ist und zuletzt weit ├╝ber 100 Kilometer L├Ąnge erreicht hatte (wir haben bereits in der Juni-Ausgabe davon berichtet). Jetzt ist der betroffene Teil des Eisschelfs erwartungsgem├Ą├č abgebrochen und hat sich so in einen gut 6.000 Quadratkilometer gro├čen Eisberg verwandelt. Dieser wird in den kommenden Jahren allm├Ąhlich nordw├Ąrts driften und dabei St├╝ck f├╝r St├╝ck abschmelzen. Eine unmittelbare Gefahr besteht dadurch nicht. Mittelfristig k├Ânnte die Druckentlastung allerdings zu einem schnelleren Nachfluss von Inlandsgletschern f├╝hren, wodurch sich die Eisschmelze auf der antarktischen Halbinsel auf lange Sicht beschleunigen k├Ânnte.

Das alles ist jedoch mehr als 2.000 Kilometer weit vom S├╝dpol entfernt passiert, der seinerseits nicht nur nicht an der K├╝ste, sondern inmitten des antarktischen Kontinents in fast 3.000 Meter H├Âhe liegt. Die Schlagzeile ÔÇ×Der S├╝dpol zerbricht!ÔÇť entfaltet daher ungef├Ąhr so viel Wahrheitsgehalt, als wenn man das Sichten einer besonders hellen Sternschnuppe mit dem Asteroideneinschlag in Verbindung bringen w├╝rde, der vor 65 Millionen Jahren das Aussterben der Dinosaurier eingeleitet hat. F├╝r das Aussterben journalistischer Dummheit besteht diese Option ganz offensichtlich leider nicht.

Marburg, am 31.07.2017

Herzlichst, Ihr J├╝rgen Vollmer
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