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Die Witterung in Marburg im November 2017
Trotz nasskalten Phasen recht mild und wenig Sonne
Medicane im Mittelmeer und Besuch aus den Tiefen des Alls


November 2017
Bilanz: Normal feucht mit 108 % Regen/Schnee - etwas milder als normal Abweichung: +0,9 Grad
Der November hat sich in diesem Jahr von einer recht trĂŒben Seite gezeigt. So ließ sich die Sonne deutlich seltener blicken als im Durchschnitt der Jahre, der Monat war zumeist trĂŒb und grau. Dazu gab es ein reges Auf und Ab bei den Temperaturen: Milde Tage und nasskalte Phasen wechselten sich mehrfach ab. Dabei blieb das Temperaturniveau aber ĂŒberdurchschnittlich, im Mittel um knapp ein Grad. Recht ausgewogen war dagegen die Niederschlagsbilanz.

WĂ€rmster Tag war der Monatserste mit 13 Grad in Marburg, aber auch in der Umgebung der Stadt. Selbst im höher gelegenen Hinterland wurde dieser Wert erreicht, was darauf zurĂŒckzufĂŒhren war, dass dort die Sonne frĂŒher zum Vorschein kam als in den vernebelten TĂ€lern. KĂ€ltester Morgen war der 14. mit minus 1 Grad in der Stadt und sogar 2 bis 3 Minusgraden in windgeschĂŒtzten TĂ€lern des Umlands. In ErdbodennĂ€he wurde dort wahrscheinlich sogar schon die Minus-5-Grad-Marke erreicht. Dennoch war der Monat nicht nur bei uns, sondern bundesweit letztlich immer noch zu mild.

Immerhin bescherte der letzte der drei Herbstmonate nach dem trockenen Oktober eine weitgehend ausgewogene Regenbilanz: So kamen im Marburger Land 108 Prozent der klimatischen Monatssumme zusammen. Weil es zum Monatsende hin auch schon recht kalt wurde, fiel ein Teil davon in den Höhenlagen des Marburger Landes als Schnee. Sokonnte sich dort Ende November die erste, nennenswerte Schneedecke der neuen Saison bilden. Aber auch entlang von Lahn und Ohm waren die ersten Flocken dabei, auch wenn es fĂŒr eine bleibende Schneedecke dort noch nicht ausreichen möchte.

Europaweit waren vor allem verheerende Unwetter ĂŒber dem sĂŒdlichen und östlichen Mittelmeer sehr bemerkenswert. Betroffen davon waren in erster Linie der SĂŒden Italiens mit Sizilien und Malta sowie die ÄgĂ€is, Griechenland und die TĂŒrkei. Dort formierte sich um die Monatsmitte ein sogenannter "Medicane", ein tropensturmĂ€hnliches Wettersystem, das auf den Namen NUMA getauft wurde. Der Begriff Medicane kommt von MEDI-terran und Hurri-CANE. FĂŒr die Entwicklung echter Hurrikane ist das Mittelmeer zu klein, doch kleinere Sturmsysteme, die sogar ein wolkenfreies Auge ausbilden können, kommen auch dort alle paar Jahre mal vor. NUMA hatte schwere Gewitter, sintflutartige RegenfĂ€lle und regional schwere VerwĂŒstungen durch Hagel und Sturm im GepĂ€ck.

Ungewöhnliches ist auch aus dem unseren Planeten umgebenden Weltall zu vermelden: Bereits Mitte Oktober haben Astronomen erstmals einen Asteroiden entdeckt, der nicht aus unserem Sonnensystem stammt. Der auf den Namen "Oumuamua" getaufte Himmelskörper weist einige sehr ungewöhnliche Eigenschaften auf: So ist er nicht rund oder auch nur annÀhernd rund, sondern zehn mal so lang wie breit. Damit hat er die Form einer mindestens 400 Meter langen Zigarre, die sich etwa alle sieben Stunden einmal um sich selbst dreht. Seine OberflÀche ist Àhnlich wie der Planet Pluto rötlich, was auf seit vielen Jahrmillionen anhaltende Verwitterungsprozesse durch kosmische Strahlung hinweist.

Dazu rast der Asteroid derzeit mit fast 100.000 Stundenkilometer durchs All, war aber im September, bei seiner grĂ¶ĂŸten AnnĂ€herung an die Sonne fast 300.000 Stundenkilometer schnell und damit das mit Abstand schnellste Objekt innerhalb unseres Sonnensystems. Oumuamua war jedoch schon bei seiner Entdeckung im Oktober wieder auf dem RĂŒckweg in die Tiefen des Alls. Nach ihren Beobachtungen mit Großteleskopen gehen die Forscher davon aus, dass der Asteroid als massiver Felssplitter eines grĂ¶ĂŸeren Himmelskörpers schon Jahrmillionen unterwegs war, bevor seine Bahn jetzt zufĂ€llig unser Sonnensystem gekreuzt hat. Vermutlich gibt es noch unzĂ€hlige weitere, aus fernen Sternensystemen stammende Asteroiden, die wegen ihrer geringen GrĂ¶ĂŸe nur noch nicht entdeckt worden sind. Mit solchen Wanderern zwischen den Welten könnte sich auch das Leben im Kosmos ausgebreitet haben.

Marburg, am 30.11.2017

Herzlichst, Ihr JĂŒrgen Vollmer
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