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Die Witterung in Marburg im Dezember 2018
Sehr mild und endlich wieder Regen
"Heißzeit" - Wie ein Unwort zum "Wort des Jahres" gekürt wird


Dezember 2018
Bilanz: Nass mit 148 % Regen - ungewöhnlich mild Abweichung: +2,9 Grad
Mit durchschnittlich 4,1 Grad war der Dezember in Marburg um fast drei Grad wärmer als im vieljährigen Mittel. Die Spitzenwerte wurden mit jeweils knapp 12 Grad am 3. und am 21. registriert, am kältesten war es am Morgen des 16. mit minus 3 Grad in der Stadt und gut minus 5 Grad im Umland. Selbst die Höchsttemperatur blieb an diesem Tag knapp unter dem Gefrierpunkt, sodass der erste Eistag der neuen Saison verzeichnet wurde. Noch kälter ging es im Weihnachtsmonat allerdings direkt über dem Erdboden zu, wo in der Stadt am Morgen des zweiten Weihnachtstages sogar knapp minus 7 Grad gemessen wurden. In den Kältelöchern des Lahntals abseits der Stadt dürfte es sogar noch frostiger gewesen sein.

Mit 92 Liter Regen pro Quadratmeter wurde das monatliche Niederschlagssoll um fast 50 Prozent übertroffen, sodass der Gesamtmonat letztlich erheblich zu nass ausgefallen ist. Nach der vorangegangenen großen Dürrezeit ist das himmlische Nass allerdings äußerst segensreich. Zwar konnte das Regendefizit dieses Jahres nicht mehr ausgeglichen werden, aber immerhin sind die oberen Bodenschichten endlich mal wieder durchfeuchtet. Dass sich die Sonne dabei erstmals seit Monaten rar machte liegt auf der Hand. So wurden in der Region kaum 60 Prozent des Sonnenscheinsolls erreicht.

Das Jahr 2018 war dagegen in Deutschland das sonnigste und wärmste sowie eines der trockensten Jahre seit Messbeginn im Jahre 1881. Verständlich, dass diese eindrucksvolle Wärmebilanz mit Blick auf den Klimawandel durchaus auch das Potenzial dafür hat, Furcht vor der Zukunft auszulösen. Was sich allerdings Klimaforscher des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V. (PIK) dabei gedacht haben mögen, als sie im August medienwirksam vor der Gefahr einer drohenden "Heißzeit" warnten, bleibt wohl Geheimnis der Forscher. Vermutlich betrachteten sie ihre Wortschöpfung als eine Art Weckruf und was ist schon wirksamer als ein verbales Schreckgespenst, das pünktlich zum Jahresende von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) auch noch zum Wort des Jahres gekürt wird?

Doch hier zunächst mal die Fakten: Erdgeschichtlich gesehen leben wir derzeit in einem Eiszeitalter. Denn als Eiszeitalter gelten Epochen, in denen die Pole unseres Planeten Eiskappen tragen. Ebenso wie in den eisfreien, historischen Warmzeiten gibt es auch innerhalb des aktuellen Eiszeitalters sowohl kältere, als auch wärmere Phasen, und in einer solchen Zwischenwarmphase des gegenwärtigen Eiszeitalters leben wir gerade. Von einer "Heißzeit" kann daher trotz der aktuellen Warmphase zumindest nach Maßgabe wissenschaftlicher Kriterien nicht die Rede sein. In der Klimakunde existiert das Wort gar nicht.

Was also treibt eine klimawissenschaftliche Institution dazu, Wortschöpfungen wie "Heißzeit" in die Welt zu setzen und was sodann die GfdS, dieses Wort, obwohl es niemand gebraucht, auch noch zum "Wort des Jahres" zu küren, ganz so, als sei es in aller Munde? Selbst wenn man der GfdS die Unkenntnis der klimatologischen Zusammenhänge nachsieht, bleibt immer noch Fakt, dass zu einer globalen "Heißzeit" auch weltweite Hitze gehören müsste. Doch mit einer Mitteltemperatur von 15 Grad ist die Erde von "Hitze" zum Glück weit entfernt. In den großen Warmzeiten der Erde war es bis zu 15 Grad wärmer als heute und dennoch wurde keine dieser Epochen je als "Heißzeit" bezeichnet.

Wie man es auch dreht und wendet: Die nun so inflationär durch die Medienwelt geisternde "Heißzeit" hat zumindest nach wissenschaftlichen Maßstäben nie existiert. Und das Jahr 2018 war zwar warm, sehr warm sogar, aber eben nicht heiß. Nicht bei uns und schon gar nicht weltweit betrachtet. So drängt sich der Verdacht auf, dass die Wortschöpfung des PIK und deren Kür durch die GfdS allein darauf zielt, Wahrnehmung möglichst plakativ zu manipulieren, um so Akzeptanz für wenig populäre, politische Pläne zu schaffen. Doch solches Tun und Walten fügt einer seriösen Debatte mehr Schaden zu als es nutzt, mittels unrealistischen Schlagworten Furcht und sprachliche Hysterie zu befeuern. Und so erweist sich die "Heißzeit" nicht als Wort, sondern ganz entschieden als UNWORT des Jahres. Der Zweck heiligt nun mal nicht jedes Mittel.

Marburg, am 31.12.2018

Herzlichst, Ihr Jürgen Vollmer
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